Gemeinsame Presseaussendung: ÖGN, ATX (Austrotransplant) und ÖGR

Update 9. 02. 2022

Österreichs NephrologInnen, RheumatologInnen und TransplantationsspezialistInnen schlagen Alarm: Die neue Impfpflicht-Verordnung widerspricht gängigen Empfehlungen für unsere PatientInnen! Unter österreichs Rheuma-, Nieren- und Transplantations-PatientInnen und deren betreuenden ÄrztInnen herrscht Verwunderung: Die Ausnahmegründe von der Impfpflicht für diese Gruppe von PatientInnen sind aus ärztlicher und wissenschaftlicher Sicht in keinster Weise nachvollziehbar.

Seit über einem Jahr weisen wir – so wie alle medizinischen Fachgesellschaften – eindringlich auf die absolute Notwendigkeit und Wichtigkeit der Impfung gegen COVID-19 für unsere PatientInnen hin und haben dazu seit Ende 2020 klare Empfehlungen und Informationen für PatientInnen ausgegeben. Aus verlässlichen Studien wissen wir, dass das Risiko für einen schweren Verlauf bzw. an einer COVID-Infektionen zu versterben für unsere PatientInnen, wenn sie ungeimpft sind, deutlich höher ist als für andere Personen.

Wir wissen mittlerweile aus sehr guten Studien – manche davon wurden in Österreich durchgeführt – dass PatientInnen unter einer immunsuppressiven Therapie größtenteils eine ausreichende Immunantwort entwickeln. Und selbst wenn dies vereinzelt nicht der Fall sein sollte, so schadet die Impfung nicht. Die Vorteile einer Corona-Impfung überwiegen das Risiko einer eventuell nicht ausreichenden Impfantwort bei immunsupprimierten PatientInnen bei Weitem.

In der kürzlich veröffentlichten Verordnung zum Impfpflichtgesetz (Bundesgesetzblatt vom 07. 02. 2022) sind nun aber genau diese PatientInnen von der Impfpflicht ausgenommen. Diese Verordnung steht in krassem Gegensatz zu den Impfempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, das die Impfung in diesen Patientengruppen empfiehlt und hoch priorisiert, was von uns betreuenden ÄrztInnen voll und ganz mitgetragen wird. Aufgrund dieser Verunsicherung erreichen uns täglich viele Anrufe und E-Mails von verunsicherten PatientInnen. Wir appellieren deswegen an die gesundheitspolitisch Verantwortlichen, diese Verunsicherung auszuräumen!

„Ferner möchten wir klarstellen, dass weiterhin unsere GEMEINSAME Empfehlung gilt, dass sich PatientInnen mit einer entzündlich rheumatischen oder nephrologischen Erkrankung bzw. vor oder nach einer Transplantation zu ihrem eigenen Schutz gegen eine COVID-Infektion unbedingt impfen und auch boostern lassen sollen,“ betonen Säemann, Sautner und Rosenkranz.

Prim. Univ.Prof. Dr. Marcus Säemann, Präsident der ÖGN
Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Präsident der ATX (Austrotransplant)
Prim. Dr. Judith Sautner, Präsidentin der ÖGR (Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation)
Gertraud Schaffer, Präsidentin Österreichische Rheumaliga