Bis dato gibt es, abgesehen von Fallberichten (Zhu et al. Am J Transplant 2020, doi: 10.1111/ajt.15869), kaum Literatur zur Anpassung der immunsuppressiven Medikation im Falle einer Covid-19 Infektion. Ein Evidenz-basiertes Vorgehen ist damit zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Für Transplantierte kann allerdings ein erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Verlauf durch die Immunsuppression angenommen werden.

Wir verweisen diesbzgl. auf Empfehlungen betroffener Zentren bzw. Regionen in Italien und Spanien (Brescia Renal COVID-19 Task Force; Hospital Universitario La Paz, Madrid, Spain), die auf der Website der ERA/EDTA publiziert sind (https://www.era-edta.org/en/covid-19-news-and-information).

 

Die ÖGN empfiehlt folgendes Vorgehen für unsere nierentransplantierten Patienten:

(1) Bei asymptomatischen, nicht getesteten oder Covid-19 negativen Patienten keine Änderung der Immunsuppression. Stringentes Einhalten der verordneten Verhaltensregeln (Social distancing etc.).

(2) Bei a- bzw. oligosymptomatischen Covid-19 positiven Empfängern ohne Hinweis auf Progression keine Änderung der Immunsuppression.

Bei ambulanten Covid-19 positiven Nierentransplant-Patienten die Symptome wie Fieber, Bauchschmerzen (Leberkapselschmerz), Durchfall, Gelenksschmerzen etc. aufweisen, aber klinisch stabil sind, empfehlen wir eine Reduktion der Immunsuppression um 50% für MPA/Aza und CNI (mTOR-I), Prednisolon 5mg/d. Bei Luftnot bitte den Notarzt rechtzeitig anrufen.

(3) Bei positivem Covid-19 Test und Nachweis von pneumonischen Infiltraten empfehlen wir in Abhängigkeit vom klinischen Schweregrad eine Pausierung von MPA/Aza bzw. einer Pausierung von MPA/Aza und des CNI (bzw. mTORInh), gleichzeitig eine Erhöhung der Steroiddosis (z.B. Prednisolon auf 20 mg/Tag). Bei klinischer Besserung schrittweiser Wiederbeginn der immunsuppressiven Therapie.